Titus 3,4–7 – Leben aus Hoffnung
Bibeltext (BasisBibel)
1Erinnere alle in der Gemeinde daran,
dass sie sich den Machthabern
und staatlichen Behörden unterzuordnen haben.
Sie sollen ihnen gehorchen
und stets bereit sein, Gutes zu tun.2Sie sollen niemanden verleumden,
friedliebend und gütig sein.
Allen Menschen sollen sie mit Freundlichkeit begegnen.3Denn auch wir waren früher unverständig,
ungehorsam und gingen in die Irre.
Wir wurden von allen möglichen Begierden
und dem Streben nach Genuss beherrscht.
Wir führten ein Leben voller Bosheit und Neid,
waren verhasst und hassten einander.
4Doch dann erschien die Güte
und die Menschenfreundlichkeit Gottes,
unseres Retters.5Wir selbst hatten ja keine Taten vollbracht,
mit denen wir uns rechtfertigen konnten.
Aber er hat uns seine Barmherzigkeit geschenkt
und uns gerettet.
Aus dem Bad der Taufe werden wir neu geboren
und erhalten durch den Heiligen Geist das neue Leben.6Den hat Gott in reichem Maß über uns ausgegossen
durch Jesus Christus, unseren Retter.7Durch diese Gnade
werden wir von Gott als gerecht angenommen.
Und damit werden wir zu Erben des ewigen Lebens,
so wie es unserer Hoffnung entspricht.
Predigt
Dieser Text ist Teil eines Briefes, den Paulus an seinen Mitarbeiter Titus geschrieben hat. Titus ist auf der Insel Kreta geblieben. Die Gemeinden auf dieser Insel müssen organisiert und strukturiert werden. Das ist die Aufgabe von Titus. Vor allem soll Titus darauf achten, gute und fähige Personen als Leiterinnen und Leiter einzusetzen. In diesem Zusammenhang fasst Paulus die wichtigsten Elemente unseres Glaubens noch einmal zusammen.
"Die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes sind erschienen." Diese Formulierung verwendet Paulus zweimal in diesem doch recht kurzen Brief, einmal im zweiten Kapitel, und einmal in unserem Textabschnitt aus dem dritten Kapitel. Gottes Güte erscheint.
Gottes Gnade, seine Güte und Menschenfreundlichkeit sind keine unerwarteten Eigenschaften Gottes. Aber bisher sah es immer so aus, als ob Gott sich nur ausgewählten Menschen oder einem auserwählten Volk gnädig zeigen würde. Doch dann erschien die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes. Heute, an Weihnachten, feiern wir, dass Gott selbst erscheint, zunächst in Gestalt eines kleinen Kindes. Der Sohn Gottes ist zur Welt gekommen.
Paulus schreibt im zweiten Kapitel:
11Denn die Gnade Gottes ist erschienen,
die allen Menschen Rettung bringt. (Titus 2,11)
Gottes Gnade erscheint für alle Menschen. Allen Menschen soll Rettung gebracht werden. Paulus verknüpft die Rettung hier mit Gottes Erscheinen, nicht mit dem Kreuz und dem leeren Grab. Am Ende hängt alles miteinander zusammen, es ist eine große Heils-Tat Gottes. Ohne Bethlehem gäbe es kein Golgatha. Heute liegt unser Augenmerk auf Jesu Geburt und auf seinem Leben.
Denn das Kind in der Krippe muss erklärt werden. Engel bringen Botschaft und singen im Chor. Ein Stern zeigt den Weisen die Richtung. Das gewickelte Kind, in einer Krippe, zeigt den Hirten, dass sie hier richtig sind. Am Anfang sind solche Zeichen nötig, denn das Kind spricht nicht für sich selbst.
Doch später spricht Jesus für sich selbst. Jesus redet vom Reich Gottes. Jesus bringt den Menschen Heil, indem er sie aus ausweglosen Situationen befreit. Auch dies ist eine Zeit, in der Gottes Gnade allen Menschen erscheint. Und wir merken: Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf Jesus. Manche lehnen Jesus ab. Andere laufen ihm nach, auf der Suche nach Sensation. Aber es gibt auch Menschen, die in Jesus den Sohn Gottes erkennen. Diese Menschen wissen: Wenn Gott zu uns kommt, dann will er uns retten und uns helfen. Wir sind auf Jesus angewiesen!
Wie reagieren wir auf Jesus? Im zweiten Kapitel schreibt Paulus:
12Sie (die Gnade Gottes) bringt uns dazu, uns von der Gottlosigkeit
und den menschlichen Begierden loszusagen.
Dann können wir in dieser Welt
als besonnene und gerechte Menschen leben
und unseren Glauben ausüben. (Titus 2,12)
Gottes Gnade bringt uns zu etwas. Das entfaltet Paulus in unserem heutigen Abschnitt: Wir selbst hätten ja nichts vorweisen können, um uns vor Gott zu rechtfertigen (Vers 5). Gott wendet sich uns zu – das ist der Schlüssel. Gott sagt Ja zu uns (2. Korinther 1,19). Gott schenkt uns seine Barmherzigkeit. Gott rettet uns. Wir werden zu neuen Menschen und erhalten neues Leben durch den Heiligen Geist.
Der Text spricht vom "Bad" oder von der "Waschung" der Wiedergeburt. Die Formulierung hier in der BasisBibel scheint Taufe und Wiedergeburt in einen Wirk-Zusammenhang zu stellen. Richtig ist sicher, dass in neutestamentlicher Zeit ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zwischen Wiedergeburt und Taufe bestand.
In seiner Gnade schenkt Gott uns neues Leben. Wir reagieren auf dieses Geschenk ganz unterschiedlich. In der Taufe nehmen wir dieses Geschenk Gottes an. Die einzige Möglichkeit, ein neues Leben als Geschenk anzunehmen, liegt darin, dieses Leben auch tatsächlich zu leben. Es ist ein Leben mit Gott. Unser Retter Jesus Christus verbindet uns mit Gott durch den Heiligen Geist (Vers 6).
Paulus skizziert hier mit wenigen Worten, dass unser neues Leben ein Geschenk Gottes ist. Titus, der diesen Brief von Paulus bekommt, weiß dies alles bereits. Aber Titus hat es in Kreta mit Menschen zu tun, die sich nicht einordnen wollen. Es sind Menschen, die auf ihren persönlichen Vorteil aus sind. Gemeinde muss ihnen etwas bringen. Paulus will Titus den Rücken stärken, und erinnert ihn daran, dass alles ein Geschenk von Gott ist.
Gott ist uns gnädig. Gott ermöglicht uns neues Leben. Gott schenkt uns seinen Heiligen Geist. All dies bekommen wir direkt von Gott. Wir selbst hatten nichts vorzuweisen. Gott schenkt uns alles, und zwar direkt.
Nun haben wir dieses neue Leben von Gott geschenkt bekommen. Aber wie gestalten wir dieses neue Leben? Hier erst kommt die Gemeinde ins Spiel. Ich ziehe noch einmal Verse aus dem zweiten Kapitel heran:
13Gleichzeitig warten wir
auf die Erfüllung unserer Hoffnung,
die uns glückselig macht:
das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes
und Retters Jesus Christus.14Der hat sein Leben für uns gegeben.
So hat er uns von allem erlöst,
was aus der Gesetzlosigkeit entsteht.
Und so wollte er sich ein reines Volk erschaffen,
das ihm gehört –
ein Volk, das nur darauf aus ist, Gutes zu tun. (Titus 2,13-14)
Wir warten auf die Erfüllung unserer Hoffnung. Denn wir leben zwar ein neues Leben, aber vieles ist noch nicht so, wie es sein sollte. Wir wissen, dass Gott noch mehr tun wird, und wir warten darauf.
Unterdessen hat aber Jesus einen Plan mit uns. Er hat uns von allem erlöst, was aus einem Leben ohne Gott entsteht. Nun will Jesus sich ein reines Volk erschaffen, welches ihm gehört. Das ist die Gemeinde. Jesus sammelt Menschen, die ihm gehören, in der Gemeinde. Dieses Volk, welches Jesus gehört, ist nur darauf aus, Gutes zu tun. Die Gemeinde ist darauf aus, Gutes zu tun. Hier liegt der Schwerpunkt von Gemeinde.
In der Gemeinde bewegen wir gemeinsam die Frage: Wie leben wir denn nun dieses neue Leben? Was ist denn das Gute, das wir tun wollen? In unserem Alltag stossen wir auf Situationen, in denen wir nicht sofort wissen, was gut ist. Wir brauchen Gleichgesinnte, um uns gegenseitig zu unterstützen. Paulus unterstützt Titus, indem er ihm einen Brief schreibt. Auch wir haben heute unterschiedliche Formate, wie wir uns gegenseitig ermutigen, unterstützen und voran bringen. Das ist ein notwendiger Zwischenschritt. Denn Jesus schafft sich ein Volk, welches zu ihm gehört und Gutes tut. Über das miteinander Reden müssen wir also auch zum Tun kommen, einzeln und miteinander.
Wenn Gott in unserem Leben erscheint, dann ändert sich alles. Gottes Güte und seine Menschenfreundlichkeit überwältigen uns. Wir baden in der Liebe Gottes, die wir erfahren. Gottes Heiliger Geist schenkt uns neues Leben. Wir werden von Gott als gerecht angenommen (Vers 7). Wir haben die Hoffnung, dass Gott uns nicht nur ewiges Leben schenkt. Gott wird unserem Leben auch den entsprechenden Rahmen geben. Unsere Hoffnung hat ein Ziel.
Gott selbst schenkt seine Gaben allen Menschen. Dieses unerwartete Verhalten Gottes hat unser Leben verändert. So kommt es, dass unser Leben ein Ziel bekommt. Wir wollen Menschen Gutes tun. Wir begegnen allen Menschen mit Freundlichkeit (Vers 2). Das sind hohe Ziele, und wohl auch schwierige Ziele. Aber Gott ist ja nicht nur für uns erschienen, sondern für alle Menschen dieser Welt. Wenn Gott für diese Welt Hoffnung hat und handelt, dann dürfen wir diese Freundlichkeit Gottes weitergeben – allen Menschen.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 25. Dezember 2025.