Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Bibeltext (BasisBibel)

15 Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: »Glückselig ist, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!« 16 Jesus antwortete: »Ein Mann veranstaltete ein großes Festessen und lud viele Gäste ein. 17 Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener los und ließ den Gästen sagen: ›Kommt, jetzt ist alles bereit!‹ 18 Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich. Der erste sagte zu ihm: ›Ich habe einen Acker gekauft. Jetzt muss ich unbedingt gehen und ihn begutachten. Bitte, entschuldige mich!‹ 19 Ein anderer sagte: ›Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin gerade unterwegs, um sie genauer zu prüfen. Bitte, entschuldige mich!‹ 20 Und wieder ein anderer sagte: ›Ich habe gerade erst geheiratet und kann deshalb nicht kommen.‹

21 Der Diener kam zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener: ›Lauf schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt. Bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten hierher.‹ 22 Bald darauf meldete der Diener: ›Herr, dein Befehl ist ausgeführt, aber es ist immer noch Platz.‹ 23 Da sagte der Herr zu ihm: ›Geh hinaus aus der Stadt auf die Landstraßen und an die Zäune. Dränge die Leute dort herzukommen, damit mein Haus voll wird!‹ 24 Denn das sage ich euch: Keiner der Gäste, die zuerst eingeladen waren, wird an meinem Festessen teilnehmen!«

Predigt

Jesus redet über das Reich Gottes. Um über das Reich Gottes zu reden, nutzt Jesus Vergleiche. Unser Text heute ist nun schon der dritte Vergleich in Folge, der mit einem Festmahl zu tun hat.

Erst hatte Jesus von der Sitzordnung an der Festtafel gesprochen. Wenn Jesus selbst uns an der Tafel aufrücken lässt, bedeutet dies für uns echte Ehre. Wir finden dies in Lukas 14, ab Vers 7.

Aber wie kommen wir dazu, dass Jesus uns so ehrt? In einem zweiten Beispiel gibt Jesus den entscheidenden Tipp. Wenn wir Menschen einladen, die uns dann auch wieder einladen, bleibt im Blick auf das Reich Gottes nichts weiter übrig. Vor Gott zählt, wenn wir Menschen einladen, die uns nichts dafür geben können. Gott wird uns großzügig ersetzen, was wir in andere Menschen investieren. Dies lesen wir ab Vers 12 in demselben Kapitel.

Jesus erzählt diese Gleichnisse, als er selbst bei einem der führenden Pharisäer zum Essen eingeladen ist. Einer der Gäste reagiert auf das, was Jesus sagt:

»Glückselig ist, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!« (Vers 15)

Wir könnten den Zwischenruf umformulieren zu einer Frage: Wer darf eigentlich im Reich Gottes am Mahl teilnehmen?

Tatsächlich hat Jesus noch nichts dazu gesagt, wer eigentlich zu dem Festmahl im Reich Gottes eingeladen ist. Das holt Jesus nun mit einem weiteren Gleichnis nach. Wir haben das Gleichnis bereits gelesen, und gehen es nun noch einmal durch.

»Ein Mann veranstaltete ein großes Festessen und lud viele Gäste ein. (Vers 16)

Ich denke, wir können recht sicher sagen, dass mit diesem Mann Gott selbst gemeint ist. Ein Gleichnis ist für uns ein Bild, welches uns etwas erklären soll. Der Punkt, um den es hier geht, ist die Einladung. Es geht nicht darum, ob Gott ein Mann oder eine Frau ist. Es geht nicht darum, dass wir uns den Himmel als ein immerwährendes Fest vorstellen sollen. Es gibt einen Gastgeber, der ein großes Festessen vorbereitet. Der Gastgeber gestaltet das Fest. Hierzu sind viele Details zu bedenken. Das kann anstrengend sein. Aber der Gastgeber freut sich auf seine Gäste. Der zentrale Punkt ist die Tatsache, dass dieser Gastgeber Einladungen ausgesprochen hat. Denn er hat eine Beziehung zu jedem der Gäste, die er eingeladen hat. Es wird ein grosses Fest mit vielen Gästen.

Nun ist es bei uns nicht üblich, den Gästen zu sagen: "Kommt, jetzt ist alles bereit!" Wenn wir einladen, dann geschieht dies mit Datum und Uhrzeit. Vielleicht schreiben wir dazu: "Um Antwort wird gebeten." Denn wir wollen ja wissen, mit wem wir rechnen können.

Im Gleichnis von Jesus läuft es anders. Die Gäste sind eingeladen. Das wissen sie. Zunächst wird alles für das Festessen vorbereitet. Erst dann schickt der Gastgeber seinen Boten los. Der Bote fordert die Gäste zum Kommen auf. Dies ist der zentrale Punkt in diesem Gleichnis. Es geht um die Einladung. Und es geht um die Reaktion der Geladenen. Deshalb gibt es hier diese menschliche Einladungskarte, diesen Knecht, der die Runde macht.

Was sagen die Gäste zu dem Knecht, der sie zum Festmahl einlädt? Der erste Gast sagt: "Ich habe einen Acker gekauft. Jetzt muss ich unbedingt gehen und ihn begutachten. Bitte, entschuldige mich!" Dieser Gast hat die Möglichkeit, einen Acker zu kaufen. Das heißt: Dieser Gast gestaltet sein Leben. Einen Acker zu kaufen ist ja kein Schicksalsschlag. Hier hat jemand eine Entscheidung getroffen und seine Mittel investiert. Hat dieser Gast den Acker gekauft, ohne ihn sich vorher anzusehen? Ich denke nicht. Sondern hier geht es um ein subjektives Wertesystem.

Bevor der erste Gast den Acker kauft, redet er abfällig über diesen Acker[1]. Man könnte meinen, er tut dem Verkäufer einen Gefallen, dass er diesen Acker überhaupt übernimmt. Doch jetzt ist der Kauf abgeschlossen. Jetzt redet dieser erste Gast vom besten Deal seines Lebens. Wie schlau war er doch, diesen Acker zu kaufen! Der erste Gast feiert sich selbst. Deshalb schlägt er die Einladung zum großen Festmahl aus. Der erste Gast sieht sich selbst im Mittelpunkt.

Der zweite Gast verhält sich ähnlich wie der erste Gast. Bei ihm dreht sich gerade alles um die fünf Ochsengespanne, die er gekauft hat. Geht es ihm tatsächlich um die Ochsen, die er prüfen will? Oder will er sich nur selbst bestätigen, dass er zu den Erfolgreichen gehört? Jedenfalls braucht er diese Einladung zum Festmahl nicht. Er sagt ab.

Der dritte Gast ist in einer ganz anderen Situation. Er hat keinen Acker gekauft. Er hat auch keine Ochsen gekauft. Er hat geheiratet. Der dritte Gast entschuldigt sich nicht einmal für seine Absage. Er ist ganz von seiner eigenen Situation in Anspruch genommen. Auch der dritte Gast will sich keine Zeit nehmen für den Gastgeber, der ihn einlädt zu dem großen Festessen.

Keiner der drei Gäste will kommen. Jeder der drei ist in einer Situation, die er selbst geschaffen hat. Trotzdem nutzt jeder von ihnen seine persönliche Situation als Vorwand, die Einladung abzusagen. Das ist wie ein Schlag in das Gesicht des Gastgebers. Der Acker, die Ochsen oder auch der Start in das Eheleben scheinen wichtiger als die Beziehung zu dem Gastgeber des großen Festessens.

Zu Recht wird der Hausherr zornig, als sein Diener ihn über die Absagen informiert. Seine Einladung war ernst gemeint. Aber seine geladenen Gäste nehmen ihn nicht ernst. Deshalb haben sie seine Einladung abgelehnt.

Der Hausherr, wie er in Vers 21 genannt wird, will feiern. Er will sein Haus voll haben mit Gästen. Es hat sich herausgestellt, dass seine eigentlichen Gäste undankbar sind und nicht kommen wollen. Deshalb schickt der Hausherr seinen Diener los, ganz andere Menschen einzuladen. Diese Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten sind nur unter Schwierigkeiten in der Lage, ihr Leben zu gestalten. Als sie von der Einladung hören, da nehmen sie den Hausherren beim Wort. Sie lassen sich von dem Diener in den Festsaal führen. Für diese Menschen gibt es keinen Grund, eine solche Einladung abzulehnen. Zu einem Fest eingeladen zu sein ist das Beste, was ihnen passieren kann.

Am Ende von diesem Gleichnis gibt es noch zwei besondere Gesichtspunkte. Der eine ist: Die Armen, die Verkrüppelten, die Blinden und die Gelähmten sind da, aber es ist noch Platz vorhanden. Der Diener soll noch einmal losziehen und auch in größerer Entfernung Menschen zu dem Festessen einladen. Am Ende von diesem Gleichnis gilt die Einladung immer noch. Es ist noch Platz. Aber das Haus soll voll werden. Jeder, der sich einladen lässt, ist willkommen.

Der andere Gesichtspunkt ist: Keiner der ursprünglich eingeladenen Gäste wird an dem Festessen teilnehmen. Hier ist es wichtig, genau hinzusehen, welchen Fehler die ursprünglichen Gäste machen. Die drei als Beispiel zitierten Gäste nehmen den Gastgeber nicht ernst. Sie finden, dass ihre eigenen Angelegenheiten wichtiger sind als die Einladung des Gastgebers zu dem grossen Fest.

Der Gastgeber und Hausherr ist Gott selbst. Seine Gäste sind eingeladen. Sie sollen sich bereit halten. Dann kommt der Knecht, um sie zu informieren, dass nun alles bereit ist. Der Knecht steht in diesem Gleichnis für Jesus Christus. Viele Menschen zur Zeit von Jesus wussten, dass Gott einen speziellen Gesandten schicken würde. Im Lukas-Evangelium wird uns von Menschen berichtet, die bereit waren für die Ankunft von Jesus. Aber es gab auch Menschen, die sich in ihrem Leben und Denken so eingerichtet hatten, dass Jesus mit seiner Einladung ungelegen kam. Jesus und seine Botschaft passten nicht in ihr Lebenskonzept.

Wie reagierst Du auf Gottes Einladung? Das Gleichnis vom Festmahl ist dann falsch verstanden, wenn wir es auf das ewige Leben und auf den Himmel beziehen. Dass wir nach unserem Tod eine Einladung verpassen, ist relativ unwahrscheinlich. Gott lädt uns hier und jetzt ein, Teil von seinem Reich zu werden. Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen – so fasst Jesus seine Botschaft zusammen (Lukas 10,9).

Wir treffen jeden Tag Entscheidungen für unser Leben. Wir entscheiden, wo und wie wir unsere Zeit und Kraft einsetzen. Wir entscheiden über die Werte, nach denen wir unser Leben gestalten. Im Lukas-Evangelium werden unsere Lebensentscheidungen auf eine Formel gebracht:

Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. (Lukas 12,34)

Vielleicht lehnst Du Gottes Einladung mehr oder weniger höflich ab. Vielleicht steht Dir kein Acker im Weg, sondern ein Eigenheim. Vielleicht hast Du nicht in Ochsen investiert, sondern rechnest eher in Kilowatt. Vielleicht ist Dir Deine Zeit für die Familie so heilig, dass Gott dagegen keine Chance hat. "Ich muss erst noch etwas begutachten." "Ich muss erst noch etwas prüfen". "Ich habe doch gerade erst eine neue Etappe in meinem Leben angefangen." Das sind die Entschuldigungen, die Gott zu hören bekommt.

Wenn wir nicht so stolz wären, würden wir uns wohl alle zu den Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten zählen. Im Gleichnis sind sie es, die sich sofort und gerne einladen lassen. Diese Menschen haben nichts zu verlieren, sie können nur gewinnen. Ihnen verstellt kein scheinbar gutes Leben den Blick. Dankbar nehmen sie die Einladung zum Festmahl an.

Jesus lädt Dich ein, von ganzem Herzen Teil von Gottes Reich zu sein. Nimmst Du seine Einladung an?


  1. »Viel zu teuer!«, sagt der Käufer. Doch hat er sein Geschäft abgeschlossen, lacht er sich ins Fäustchen. (Sprüche 20,14)

Martin Pusch – Predigt gehalten am 13. April 2025.