Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 3,18–4,1 – Veränderung kommt von innen

Bibeltext (BasisBibel)

18 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter. So ist es angemessen, wenn man zum Herrn gehört! 19 Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht rücksichtslos gegen sie! 20 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem. Denn so ist es richtig, wenn man zum Herrn gehört! 21 Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht entmutigt werden! 22 Ihr Sklaven, gehorcht in allem den Herren dieser Welt! Tut das nicht, um gesehen zu werden und den Menschen zu gefallen. Tut das vielmehr aus ehrlicher Überzeugung und aus Ehrfurcht vor dem Herrn. 23 Was immer ihr tut, das tut von Herzen. Tut es für den Herrn und nicht für die Menschen. 24 Und seid euch bewusst, dass ihr dafür vom Herrn das Erbe als Lohn bekommt. Dient Christus, dem Herrn! 25 Wer allerdings Unrecht tut, wird seine gerechte Strafe erhalten. Denn der Herr ist ein unparteiischer Richter. 1 Ihr Herren, behandelt eure Sklaven, wie es recht und billig ist. Seid euch bewusst, dass auch ihr im Himmel einen Herrn habt.

Predigt

Dieser Text ist eingebettet in den Kolosserbrief. Die Einteilung des Briefes in Kapitel und Verse ist übrigens über tausend Jahre später vorgenommen worden[1]. Der Brief war nie so gedacht, dass man zu einzelnen Versen springt, und dann versucht, sie ohne ihren Zusammenhang zu verstehen.

Paulus sieht alles von Christus her. Diesen Gedanken entwickelt Paulus im ersten Kapitel dieses Briefes:

17 Er (der Sohn) ist vor allem da, und in ihm hat alles Bestand. 18 Und er ist das Haupt des Leibes – der Gemeinde. Er ist der Anfang: der erste der Toten, der neu geboren wurde. In jeder Hinsicht sollte er der Erste sein. (Kolosser 1,17–18)

Paulus richtet seinen Brief an Menschen, die mit Jesus Christus leben wollen. Wer mit Christus leben will, muss für jeden Bereich seines Lebens herausfinden, wie dieser Bereich auf Christus hin ausgerichtet werden kann. Daran erinnert Paulus im zweiten Kapitel:

6 Ihr habt Christus Jesus, den Herrn, angenommen. Richtet also euer Leben an ihm aus! 7 Bleibt in ihm verwurzelt und gründet euch als Gemeinde ganz auf ihn. Werdet fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid. Und hört nicht auf, Gott zu danken. (Kolosser 2,6–7)

Ein wesentlicher Bereich unseres Lebens betrifft das Zusammenleben mit anderen. In der Antike war es kaum möglich, als Single zu leben. Die Gesellschaft war anders als heute. Überhaupt war das Leben in vielen Punkten ganz anders als unser Leben heute.

Es war aufwendig, einen Haushalt zu führen. Mangels Kühlung wurden Lebensmittel jeweils frisch eingekauft und zubereitet. Getreide wurde erst dann gemahlen, wenn man Mehl brauchte, denn die Körner ließen sich besser aufbewahren. Lebensmittel haltbar zu machen kostete viel Zeit. Wer es sich leisten konnte, organisierte sich Hilfe für diese aufwendige Hausarbeit. In manchen Gegenden bestand bis zu einem Viertel der Bevölkerung aus Sklaven. Viele Sklaven waren in einem Handwerk ausgebildet. Weniger gut ging es Sklaven, die auf den Feldern arbeiteten. Ganz schlecht ging es solchen, die in den Bergwerken schuften mussten.

Paulus gibt den Christen in Kolossä Mahnungen für das Zusammenleben mit. Wir können an diesem Text einige Dinge beobachten. Der Text ist streng paarweise aufgebaut. Der oft weniger dominante Teil einer Beziehung wird jeweils zuerst angesprochen: Frauen und Männer, Kinder und Väter, Sklaven und Herren.

Jede Gruppe wird jeweils direkt angesprochen. Nach der Anrede kommt eine Aufforderung im Imperativ. Es folgt jeweils eine Erweiterung, die bei den Sklaven besonders ausführlich ausfällt. Wir können also annehmen, dass die Situation der Sklaven die Gemeinde besonders beschäftigte.

Paulus selbst hatte den entlaufenen Sklaven Onesimus bei sich aufgenommen. Anschließend hatte Paulus Onesimus mit einem wohlwollenden Brief zu seinem Herrn Philemon zurückgeschickt. Diesen Brief finden wir im Neuen Testament. Onesimus gehörte inzwischen zur Gemeinde in Kolossä (Kolosser 4,9).

Paulus selbst hat im Kolosserbrief davon geschrieben, dass wir in Christus den alten Menschen ablegen sollen und den neuen Menschen anziehen.

11 Wo das geschieht, spielt es keine Rolle mehr, was jemand ist: Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Fremder, Skythe, Sklave oder freier Mensch. Denn in all dem lebt Christus, und er umfasst das alles. (Kolosser 3,11)

Wir sind unterschiedliche Menschen. Wir haben in der Gesellschaft unterschiedliche Rollen und Aufgaben. Christus umfasst all diese Unterschiede. Niemand ist von Christus ausgeschlossen. Aber wir müssen uns in eine Ordnung einfügen. Das fängt mit unserer Beziehung zu Jesus Christus an.

Denn Jesus Christus ist das Haupt, mit dem wir verbunden sind. Wir ordnen uns Christus unter. Christus ist der Anfang und der Erste. Dieser Platz ist also bereits vergeben. Wir sind der Leib von Christus, aber wir sind nicht das Haupt. An dem Leib wiederum haben wir unterschiedliche Aufgaben. Wir sitzen nicht alle an derselben Stelle. Paulus schreibt davon im Römerbrief (Römer 12,4–5), und auch noch an anderen Stellen. In der Gemeinde müssen wir uns also einordnen. Nur so können wir miteinander unterwegs sein.

Auch in der Gesellschaft müssen wir uns einordnen. Hier gibt es allerdings kulturelle Unterschiede, je nachdem, in welcher Region dieser Erde wir leben. Und diese Unterschiede spiegeln auch wieder zurück in die Gemeinde. Die Umstände, in denen wir leben, beeinflussen die Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben.

Jesus gebraucht in seinen Reden Bilder vom Sauerteig, vom Salz und vom Licht. Menschen, die mit Jesus leben, haben eine Wirkung auf die Gesellschaft. Allerdings verändert sich die Gesellschaft nicht über Nacht. Und in der Zeit der ersten Christen gab es ein zusätzliches Problem: Wenn Christen zu sehr aus dem Rahmen fielen, wurde die Gemeinde verfolgt. Paulus selbst hat ja viele Briefe aus dem Gefängnis geschrieben, wo er wegen seines Glaubens an Jesus Christus einsaß. Der Gedanke, dass Religion und Staat zwei getrennte Bereiche sein sollten, ist noch relativ jung. Selbst heute ist dies längst nicht überall auf der Welt so geregelt. Christen können die Gesellschaft verändern – aber wahrscheinlich nur in kleinen Schritten.

In Vers 18 spricht Paulus die Frauen direkt an: "Ordnet euch euren Männern unter. So ist es angemessen, wenn man zum Herrn gehört." Die Bibel bringt die Aufspaltung von Mann und Frau in unterschiedliche Rollen mit dem Sündenfall in Verbindung (Genesis/1. Mose 3,16–19). Der Kern der damaligen Gesellschaft war die Familie. Alle Mitglieder eines Haushalts gehörten in irgendeiner Form dazu. Vorstand der Familie war der Vater. Seine Frau, die Kinder und auch die Sklaven waren ihm untergeordnet.

Übrigens spricht Paulus die Frauen der Gemeinde als Gruppe an. Die Gruppe ist gemeinsam stärker als das einzelne Mitglied. Vielleicht hatten die Frauen daher manchmal Lust, gemeinsam die Gesellschaft auf den Kopf zu stellen. Doch Paulus bremst den Gedanken einer Revolution. Christus steht für Veränderung und für ein neues Leben. Aber es ist eine Veränderung, die von innen herkommt, vom Herzen her.

Auch die Männer spricht Paulus als Gruppe an. Sie sollen ihre Frauen lieben. Damals war Liebe kein typisches Element einer Ehe. Die Rollen waren festgelegt und mussten ausgefüllt werden, sowohl von der Frau als auch vom Mann. Die Ehe war eine Zweckgemeinschaft. Aber jetzt sollten die Männer anfangen, ihre Frauen zu lieben. Die Männer sollten sich selbst nicht mehr als Herrscher verstehen. Statt dessen sollten sie ihren Frauen vergeben, weil Christus ihnen ja auch vergibt (Kolosser 3,13).

Kinder und ihre Eltern bilden das nächste Paar in diesem Text. Kinder sollen ihren Eltern gehorchen. Eltern müssen sich also gegenüber ihren Kindern klar und deutlich verhalten, damit Gehorsam auch möglich wird. Wenn heute dies gilt und morgen das, verlieren Kinder die Orientierung. Am Ende spricht Paulus wieder die Männer an – genauer gesagt: die Väter. Die Väter sollen sich nicht als Herrscher über ihre Kinder aufspielen. Väter sollen darauf verzichten, ihre anfängliche Überlegenheit auszuspielen. Viel wichtiger ist es, dass Väter ihre Kinder motivieren und sie dazu herausfordern, auch innerlich zu wachsen.

Das dritte Paar in diesem Text bilden Sklaven und ihre Herren. Die Sklaven werden zum Gehorsam aufgefordert. Doch der Gehorsam soll sich nicht auf das beschränken, was der Herr auch sieht und mitbekommt. Genauso wenig soll sich ein Sklave bei seinem Herrn einschmeicheln. Ein christlicher Sklave versteht seinen Dienst zugleich als Dienst für Christus. Am Ende ist Christus der Herr, und der Sklave wird seinen Lohn von Christus empfangen. Paulus erinnert daran, dass es bei Christus kein Ansehen der Person gibt. Unser Lohn hängt ganz davon ab, dass wir treu das Richtige tun.

Am Ende spricht Paulus noch einmal die Männer an, in ihrer Rolle als Vorstand des Haushalts. Denn diese Männer sind auch Herren der Sklaven. Paulus erinnert sie an ihre Fürsorgepflicht. Die Herren sollen für ihre Sklaven sorgen und ihnen geben, was ihnen zusteht. Sklaven und ihre Herren haben etwas gemeinsam: Beide haben denselben Herrn im Himmel. Die Herren sind Christus Rechenschaft schuldig, genauso wie die Sklaven.

Am Ende enthält dieser Text also vor allem Ermahnungen an die Männer in ihrer Rolle als Familienvorstand. Sie sollen ihre Frauen lieben, ihre Kinder nicht einschüchtern und ihre Sklaven gerecht und fürsorglich behandeln. Wenn diese Männer ihre Rolle richtig auffassen und gut ausfüllen, verändert sich die Gesellschaft von innen her. Haushalte und Familien werden zu Orten, an denen der neue, von Christus her geprägte Mensch sich entfalten kann. So wird die Gesellschaft verändert. Eine von Rollenbildern geprägte Gesellschaft zieht das Band der Liebe an, das Band der Vollkommenheit (Kolosser 3,14).

Der grundlegende Gedanke, den Paulus uns mitgeben will, findet sich in Vers 23 und 24. Christus verändert unsere zentralen Werte, unser Herz. Alles, was wir tun, tun wir für Jesus Christus Er ist unser Herr, unser Haupt und überhaupt der Erste. Christus wird uns auch belohnen. Sicher ist damit nicht nur eine Belohnung im Jenseits gemeint. In einem Haushalt, in einer Familie ein gutes Miteinander zu haben ist ein schöner Lohn. Wenn wir uns von Christus verändern lassen, wird vieles möglich.

Paulus fordert vor allem Männer heraus, sich von Christus verändern zu lassen. Frauen und Männer, Kinder und ihre Väter, Sklaven und ihre Herren – immer sind Männer aufgefordert, von Christus zu lernen und Christus zu dienen. Dann ist das Haus gut geordnet und zeugt von dem Frieden, zu dem Christus uns berufen hat (Kolosser 3,15).


Martin Pusch – Predigt gehalten am 8. Februar 2026.