Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 3,1-4 – Mit Blick auf Gottes Herrlichkeit leben

Bibeltext (BasisBibel)

1 Wenn ihr also zusammen mit Christus auferweckt worden seid, dann richtet euch nach oben hin aus. Dort sitzt Christus an der rechten Seite Gottes. 2 Wendet euch dem zu, was dort oben ist, und nicht dem, was auf der Erde ist! 3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus bei Gott verborgen. 4 Es kommt aber die Zeit, in der Christus, euer Leben, erscheint. Und dann wird auch offenbar, dass ihr zusammen mit ihm Anteil an Gottes Herrlichkeit habt.

Predigt

Letzten Sonntag haben wir in Kapitel 2 Vers 20 den Satz gelesen:

Ihr seid doch mit Christus gestorben und damit tot für die Elemente dieser Welt. (Kolosser 2,20)

So hat Paulus begründet, dass wir nicht an Aberglaube, Brauchtum oder ähnliche Regeln gebunden sind. Wir sind doch mit Christus gestorben. Diese Tatsache nutzt Paulus als Argument, dass Elemente dieser Welt keine Macht mehr über uns haben.

In unserem heutigen Text geht Paulus einen Schritt weiter: "Wenn ihr zusammen mit Christus auferweckt worden seid, dann richtet euch nach oben hin aus." Wir leben zusammen mit Christus ein neues Leben. Verbunden mit diesem neuen Leben ist auch eine neue Blickrichtung, nämlich nach oben. Als Christen nehmen wir damit eine aufgerichtete Haltung ein. Wir leben aus unserer Hoffnung heraus.

Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir nicht mehr eingeschränkt durch rein weltliche Regeln. Wenn wir mit Christus auferweckt worden sind, entdecken wir neue Werte und Ziele. Unser Sterben mit Christus und unser neues Leben mit Christus bewirken also, dass wir nach neuen Werten leben.

Christus sitzt an der rechten Seite Gottes, schreibt Paulus. Der Platz rechts eines Herrschers galt im alten Israel als Ehrenplatz (vgl. Psalm 110). Christus sitzt zur Rechten Gottes und hat seine Herrschaft angetreten. Im Himmel ist die Herrschaft von Jesus Christus also bereits zu sehen. Aber in unserem Leben muss die Herrschaft von Jesus Christus erst noch sichtbar werden.

Paulus sieht es so, dass wir zusammen mit Jesus Christus von den Toten auferweckt worden sind. Wir leben damit bereits in der neuen Wirklichkeit des Ewigen. Paulus ist aber nicht der Meinung, dass wir bereits körperlich von den Toten auferstanden sind. Paulus bezieht dies vielmehr auf unser geistliches Leben. Nach dem Kolosserbrief sind wir räumlich getrennt von der zukünftigen Welt. Nach dem Römerbrief sind wir zeitlich getrennt von der zukünftigen Welt (Römer 6,8).

Wir müssen es uns so vorstellen, dass die Zukunft bereits bei Gott vorhanden ist. Gottes Reich existiert parallel zu dieser Welt. Wenn wir zu Christus gehören, dann hat sich in unserem Leben eine Grenze verschoben: Unser Leben ist nun Teil von Gottes Reich. In Gottes Reich gelten Gottes Maßstäbe. Wir richten uns mit unserem Leben nach oben hin aus.

Wir gestalten unser Leben im Blick auf die kommende Wirklichkeit. Der Tod und die Auferstehung von Jesus Christus gelten auch für uns. In der Taufe sind wir diesen Weg von Jesus Christus mitgegangen. Wir wurden untergetaucht und waren tot. Wir durften aufstehen zu einem neuen Leben. Wir sehen hier, dass die Taufe durch Untertauchen eine geistliche Wirklichkeit ausdrückt. Der Akt der Taufe sagt mehr aus als viele Worte es tun könnten. Unser Leben ist mit Christus bei Gott verborgen (Vers 3).

Nun meint Paulus mit diesem verborgenen Leben nicht unser biologisches Leben. In körperlicher Hinsicht unterscheidet sich unser Leben nicht großartig von dem Leben anderer Personen. Auch in anderer Hinsicht sind wir keine Ausnahme-Erscheinungen. Wir müssen uns, genau wie alle anderen Menschen, an Gesetz und Ordnung halten. Wir fahren auf derselben Straßenseite wie alle anderen. Wir kaufen in denselben Märkten ein. Aber genau deshalb will Paulus uns ja aufwecken und uns zeigen, wo die Unterschiede liegen. Paulus ermutigt uns, den Blick nach oben zu richten, auf Christus hin. Denn eines Tages wird es offenbar werden, dass wir zu Gott gehören (Vers 4). Deshalb sollen wir schon jetzt unser Leben auf Christus ausrichten. Unser Leben hat eine Dimension, die anderen Menschen verborgen ist. Christus ist unser Leben.

Mich erinnert diese verborgene Dimension des Lebens an einen Gedanken aus der jüdischen Tradition. Wenn da jemand verstirbt, gibt es einen Wunsch, eine Art Segensgedanken: "Seine Seele (bzw. ihre Seele) sei eingebunden in das Bündel des Lebens!" Diese Worte stammen aus dem ersten Buch Samuel, wo Abigajil mit David redet (1. Samuel 25,29). Auf vielen jüdischen Grabsteinen steht dieser Spruch in abgekürzter Form. Man wünscht sich, dass das Leben nicht endet, sondern bei Gott aufgehoben ist.

Der Gedanke, den Paulus hier im Kolosserbrief äußert, ist ähnlich. Wir sind mit Christus gestorben. Jetzt ist unser Leben praktisch bei Christus mit im Bündel des Lebens. Aber Paulus denkt nicht nur daran, dass unser Leben irgendwo sicher aufbewahrt ist. Christus sitzt zur Rechten Gottes. Die Rechte Gottes, das ist Gottes tatkräftiger Arm. Gott bewirkt Veränderung in dieser Welt. Unser Leben sitzt mit Christus zur Rechten Gottes. Gott handelt durch uns. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde läuft direkt durch unser Leben. So sind wir gesegnet, weil wir mit Christus verbunden sind. Und wir werden zum Segen für andere Menschen, einfach deswegen, weil wir mit Christus verbunden sind.

Deswegen sollen wir immer neu die Verbindung zu Christus suchen. Jeder Bereich unseres Lebens muss mit Christus verbunden sein. Der neue Mensch gehört zur oberen Welt und wird vom Himmlischen bestimmt. Dies wird Paulus in späteren Versen noch im Detail ausführen. Das Ziel ist keine Weltfremdheit, sondern eine Neugestaltung des Lebens hier auf der Erde. Christus gibt uns einen Orientierungspunkt. Wir lernen, uns nicht von Dingen blenden zu lassen, die mit dieser Welt vergehen werden. Statt dessen lernen wir durch Christus und von Christus, worauf es in unserem Leben ankommt.

Wie sind wir mit Christus verbunden? Nun, Paulus hat davon geschrieben, dass wir mit Christus gestorben und mit Christus auferstanden sind. So sind wir mit Christus verbunden. Hilft es uns also, wenn wir unsere Taufbescheinigung hervorholen? Sind wir durch die Taufe mit Christus verbunden?

Wir müssen zwei Dinge voneinander unterscheiden. Es ist eine Sache, ein Kind Gottes zu sein. Es ist eine andere Sache, den Willen des Vaters zu tun. Das Anliegen des Paulus ist, dass wir als Kinder Gottes auch den Willen des Vaters tun. Für uns soll beides gleichzeitig gelten: Wir sind Kinder Gottes, und wir tun, was Gott will.

Für Jesus Christus gilt auch beides gleichzeitig. Jesus sitzt zur Rechten des Vaters und er handelt von dort aus entsprechend dem Willen des Vaters. Ob Jesus auch dort sitzen würde, nur weil er Gottes Sohn ist, und ohne auch entsprechend zu handeln? Ein solcher Gedanke wird in Bezug auf Jesus Christus nirgends erörtert. Dieser Gedanke ist auch einfach unvorstellbar. Warum sollte Jesus Christus nicht auch tun, was sein Vater will? Warum sollte Jesus irgendwelche Reichtümer in dieser Welt sammeln wollen, wenn sowieso alles von Gott kommt?

Genau das versucht Paulus uns klar zu machen. Für uns gelten dieselben Gedanken. Was für Jesus Christus undenkbar ist, das brauchen wir auch nicht in Erwägung zu ziehen. Warum sollten wir als Kinder Gottes irgendwelche Dinge dieser Welt ansammeln wollen? Schließlich bekommen wir alles, was wir brauchen, von Gott. Deshalb sollte es uns auch darum gehen, den Willen des Vaters zu tun. Denn nur dann hat unser Lebenswerk überhaupt Bestand.

Jesus hat einmal ein Gleichnis erzählt, um uns diesen Punkt zu verdeutlichen:

28 »Was meint ihr zu folgender Geschichte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: ›Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!‹ 29 Aber der antwortete: ›Ich will nicht!‹ Später tat es ihm leid, und er ging doch. 30 Genauso bat der Vater seinen zweiten Sohn. Der antwortete: ›Ja, Herr!‹ Aber er ging nicht hin. 31 Wer von den beiden Söhnen hat getan, was der Vater wollte?« Die führenden Priester und Ältesten des Volkes antworteten: »Der erste.« Da sagte Jesus zu ihnen: »Amen, das sage ich euch: Die Zolleinnehmer und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr. 32 Denn Johannes kam zu euch und zeigte euch den Weg, den Gottes Gerechtigkeit fordert. Aber ihr habt ihm nicht geglaubt. Doch die Zolleinnehmer und Huren haben ihm geglaubt. Nicht einmal, als ihr das gesehen habt, habt ihr euer Leben geändert. Selbst dann habt ihr Johannes nicht geglaubt.« (Matthäus 21,28-32)

Der Mann hat zwei Söhne. Beide sind also Söhne des Vaters. Aber nur einer der beiden tut auch, was der Vater will. Der andere hat zwar mit Worten zugestimmt, als der Vater ihn bat, aber er hat nicht im Sinne seines Vaters gehandelt. In den Evangelien liegt der Schwerpunkt klar darauf, das richtige zu tun. Unser Glaube wird sichtbar in dem, was wir tun, nicht in dem, was wir singen oder sagen.

Paulus wirbt dafür, dass wir unser Leben nach Christus hin ausrichten. Wenn wir mit Christus zur Rechten Gottes sitzen, dann steht unser Tun im Vordergrund, und nicht unser Reden. Gottes Ziele werden dann zu unseren Zielen, wenn wir sie tun. Die Dinge dieser Welt sind dazu bestimmt, dass wir sie nutzen und verbrauchen (Kolosser 2,22). Bleibende Werte sammeln wir bei Gott.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 4. Januar 2026.