Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 2,16-23 – Was wichtig ist – und was nicht

Bibeltext (BasisBibel)

16 Niemand soll euch danach beurteilen, was ihr esst oder trinkt – oder ob ihr bestimmte Feste, den Neumond oder den Sabbat haltet. 17 Das alles ist doch nur ein Schatten von dem, was kommen wird. Aber in Christus ist es wirklich geworden. 18 Niemand soll euch den Siegespreis absprechen! Schon gar nicht Leute, die Demut heucheln oder Engel verehren – auch wenn sie das mit irgendetwas begründen, was sie bei ihren Visionen erlebt haben wollen. Jetzt machen sie sich ohne Grund wichtig, wie es ihrer selbstsüchtigen Natur entspricht. 19 Sie halten nicht an Christus fest, der das Haupt der Gemeinde ist. Dabei wird von ihm her der ganze Leib durch Sehnen und Bänder gestützt und zusammengehalten. So wächst er heran, wie Gott es bestimmt. 20 Ihr seid doch mit Christus gestorben und damit tot für die Elemente dieser Welt. Warum lasst ihr euch dann Vorschriften machen, als ob ihr noch in dieser Welt lebt: 21 »Fass dies nicht an! Iss nicht davon! Berühr jenes nicht!« 22 Das alles ist dazu da, verbraucht und so vernichtet zu werden. Und das geschieht nach Vorschriften und Lehren, die lediglich von Menschen stammen. 23 Das Ganze genießt zwar den Ruf, weise zu sein – kommt es doch fromm und demütig daher und schont den eigenen Körper nicht. Aber es ist nichts wert und befriedigt nur die menschliche Eitelkeit.

Predigt

In seinem Brief an die Christen in Kolossä stellt Paulus Jesus Christus in den Mittelpunkt. Eine zentrale Aussage dazu steht in Kapitel 2,9-10:

9 In ihm (Christus) ist die ganze Fülle Gottes leibhaftig gegenwärtig. 10 Und an dieser Fülle habt ihr Anteil, weil ihr zu Christus gehört. Der steht als Haupt über allen Mächten und Gewalten. (Kolosser 2,9-10)

Gottes Fülle kommt in Christus zu uns. Gott wartet nicht auf den Tag, an dem wir es endlich schaffen, alles richtig zu machen. Jesus Christus kommt uns zur Hilfe. In Christus schenkt uns Gott das Heil. Das ist das Evangelium, die Gute Nachricht. Bei allen Fragen, die Paulus beantwortet, kommt er immer wieder auf diesen Punkt zurück. Christus steht im Mittelpunkt. Alles kommt von Christus her. Alle Ehre gehört Christus, und niemandem sonst.

Nun könnte man auf die Idee kommen und bei jeder Handlung fragen: Was würde Jesus tun? Grundsätzlich wäre das keine schlechte Frage. Aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Denn unser Urteil wird von unserem Bild von Jesus beeinflusst. Wir könnten ein falsches Bild von Jesus haben, und uns deshalb an einem falschen Bild orientieren. Wichtig ist also, dass wir für uns selbst die Evangelien lesen und Jesus so gut wie möglich kennenlernen. Im Norden Kameruns mussten Menschen, die sich taufen lassen wollten, zeigen, dass sie lesen konnten. Das Lesenlernen gehörte zum Taufkurs dazu. Denn idealerweise sollte ein Christ selbst in der Lage sein, die Bibel zu lesen und zu verstehen. Aus diesem Grund gibt es rund um die Welt Projekte, Menschen die Bibel durch eine Übersetzung in ihre Muttersprache zugänglich zu machen. Jeder von uns muss Jesus selbst kennen. Es reicht nicht, sich Wissen aus zweiter Hand anzueignen. Du brauchst eine lebendige und persönliche Beziehung zu Jesus Christus.

Das bedeutet aber auch, dass Lesen allein nicht ausreicht. Wir müssen die Werte, die wir von Jesus lernen, in unser Leben übernehmen. Jesus kommt in unseren Alltag. Jesus teilt unser Leben. Wir übersetzen das, was wir in der Bibel lesen, in unsere heutige Situation. So entdecken wir, dass Gottes Wort lebendig ist.

Wir sind also dabei, von Jesus zu lernen und unseren Alltag neu zu gestalten. Da kommen andere Menschen und drängen uns ihre Erkenntnisse auf. Sie wollen uns dazu bringen, von ihnen zu lernen. Mit diesen Menschen setzt Paulus sich in unserem Text auseinander.

Im Hintergrund zu den Versen 16 bis 19 stehen jüdische Vorschriften, die sich auf das Gesetz des Mose beziehen. Dieses Gesetz hat Mose sich ja nicht ausgedacht, sondern er hat es von Gott bekommen. Die jüdische Kultur ist tief geprägt vom Gesetz. Das Gesetz bestimmt, was gegessen werden darf. Auch der Sabbat und die Zeiten für Feste sind im Gesetz verankert. Juden und Christen haben denselben Gott, und schöpfen aus denselben Traditionen. Aber durch Christus hat sich etwas verändert.

Paulus erklärt, dass das Gesetz nur der Schatten ist von dem, was später kommen sollte. Schatten stellen nur den Umriss dar. Schatten lassen viele Details vermissen. Jetzt, im Winter, merken wir auch: Schatten sind kalt. Es ist angenehmer, im Licht, in der Sonne zu sein. Als Jesus Christus in diese Welt kam, hat er uns Gott als seinen Vater vorgestellt. Jesus hat von seinem Vater geredet. Jesus hat im Sinne seines Vaters gehandelt. Nun lädt Jesus uns dazu ein, seine Schwestern und Brüder zu werden. Durch Christus gehören wir zur Familie. Wir lernen direkt von Christus, wie wir uns als Familienmitglieder Gottes richtig verhalten. In dieser Hinsicht ist das aufgeschriebene Gesetz nur ein Schatten von dem, was wir jetzt haben.

Zwischen den Büchern des Alten Testaments und der Geburt von Jesus liegen etwa vierhundert Jahre. In dieser Zeit hat sich im Judentum das Thema Engel stark entwickelt. Im Buch Daniel sind Engel namentlich erwähnt (Daniel 9,20-23; 10,12-14). Aus den Details, die dort zu lesen sind, haben sich komplexe Vorstellungen über die Engelwelt entwickelt. Diese Vorstellungen finden sich im apokryphen Buch Tobias oder Tobit, oder auch im Buch Henoch. Von da schwappen diese Gedanken wieder zurück in christliche Vorstellungen. Ein Beispiel ist die Vorstellung von Schutzengeln.

Problematisch wird es, sobald eine gedankliche Parallel-Welt entsteht, die Jesus Christus an die Seite drängt. Denn Engel bleiben Christus untergeordnet. Der Hebräerbrief setzt sich damit auseinander. Wir werden nicht durch Engel gerettet, sondern durch Jesus Christus.

Vers 19 kommt auf einen Gedanken zurück, den Paulus schon mehrfach angesprochen hat: Christus ist das Haupt der Gemeinde. Das, was uns als Leib Christi wachsen lässt, muss von Christus her kommen. Christus selbst hält seinen Leib zusammen. Wer Christus nachfolgt, ordnet sich Christus unter. Nicht unsere Visionen oder unsere geistlichen Übungen machen unseren Glauben wertvoll, sondern die Tatsache, dass wir uns an Jesus Christus ausrichten.

Die Verse 20 bis 23 setzten sich mehr mit abergläubischen Bräuchen auseinander, die aus dem Heidentum stammen. Diese Bräuche gehen auf Regeln zurück, welche sich Menschen ausgedacht haben. Das mag im Einzelfall schon lange her sein. Lokale Traditionen und sogar Heiligenlegenden mögen eine Rolle spielen.

Hier schreibt Paulus: Ihr seid doch mit Christus gestorben und damit tot für die Elemente dieser Welt.

Wenn also Menschen jetzt von Raunächten sprechen und bestimmte Vorstellungen damit verbinden, brauchen wir uns davon nicht beeindrucken zu lassen. Wir müssen auch zu Silvester keine bösen Geister verscheuchen. Es gibt viel abergläubische Ängstlichkeit, in die wir uns nicht mit hineinziehen lassen brauchen. Aberglaube ist ein Gegen-Glaube, oder ein Ersatz-Glaube. Wir sollten uns klar davon distanzieren. Wir halten uns an Jesus Christus. Mit Christus sind wir für diese Welt bereits gestorben. Jetzt sind wir mit Christus verbunden.

Manchmal reden Menschen von Jesus, ohne dabei wirklich Jesus Christus zu meinen. Der Titel "Christus" bedeutet ja "der Gesalbte". Zu Weihnachten wird viel vom Christkind gesprochen, welches irgendwie Frieden in die Welt bringt. Wer so von Jesus redet, der betrachtet Jesus Christus nicht unbedingt als seinen Herrn und Retter. Genauso geht es Menschen, die zwar Gedanken aus der Bergpredigt gut finden, die aber in Jesus Christus nicht den Sohn Gottes sehen können. Entscheidend ist tatsächlich, dass wir Christus als unser Haupt akzeptieren, und alles von ihm erwarten.

Auch in christlichen Kreisen passiert es, dass Jesus Christus zumindest zeitweise nicht mehr das Haupt ist. So können uns bestimmte Formen wichtig werden und Christus von seinem Platz verdrängen. Für unser geistliches Wohlbefinden muss es eine bestimmte Musik sein, oder eine bestimmte Form des Gebets. Vielleicht würden wir nicht so weit gehen, anderen ihren Glauben abzusprechen. Aber wenn wir anderen Kirchen und Gemeinden hier in der Stadt aus dem Weg gehen, dann läuft dies am Ende auf das Gleiche hinaus: Wir sprechen ihnen ihre Verbindung zu Christus ab. Wir selbst fühlen uns damit vielleicht fromm und demütig. In Wirklichkeit befriedigen wir so nur unsere menschliche Eitelkeit. Denn es sind ja nicht wir, die Christi Leib zusammenhalten müssen. Sondern es ist Jesus Christus, von dem her der ganze Leib zusammengehalten wird. In diesem Zusammenhang seid Ihr herzlich zum Allianzgottesdienst eingeladen, wo wir zeigen wollen: Wir sind miteinander verbunden. Wir beten gemeinsam für diese Welt.

In den nächsten Abschnitten wird Paulus entwickeln, wie wir leben sollen. Christus ist das Haupt der Gemeinde. Deshalb sollen wir uns auf Christus hin ausrichten:

1 Wenn ihr also zusammen mit Christus auferweckt worden seid, dann richtet euch nach oben hin aus. Dort sitzt Christus an der rechten Seite Gottes. (Kolosser 3,1)

Statt dass wir also andere Menschen beurteilen, ob sie alles richtig machen, sollten wir unsere eigene Ausrichtung überprüfen. Christus ist unser Haupt. Deshalb müssen wir uns immer neu auf Christus hin ausrichten. Dies betrifft alle Bereiche unseres Lebens.

Wir sind mit Christus gestorben. Für diese Welt sind wir also tot. Viele Dinge, die anderen Menschen wichtig sind, brauchen uns nicht mehr zu beschäftigen. Aber es fällt uns manchmal schwer, so aus dem Rahmen zu fallen. Wir fühlen uns als Aussenseiter. Wir würden manchmal gerne weniger auffallen, und einfach normal unser Leben leben. Hier haben wir zu lernen. Wir hängen von Jesus ab. Er hält uns fest. Jesus schenkt uns echtes Leben, wirkliches Leben, ewiges Leben.

Wir sind mit Christus auferstanden. Dieses neue Leben wollen wir gestalten. Wir leben in dieser Welt, wir sind aber nicht mehr von dieser Welt. Auch das ist ein Bereich, in dem wir am Lernen sind. Auch hier gilt wieder: Wir hängen von Jesus ab. Er hält uns fest.

Deshalb wollen wir lernen, uns nach oben hin auszurichten, zu Christus hin. So füllen wir unser Leben mit Schätzen, die wirklich wertvoll sind.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 28. Dezember 2025.