Hesekiel 37,24–28 – Gott wohnt unter den Menschen
Bibeltext (BasisBibel)
24Mein Knecht David wird ihr König sein,
ein einziger Hirte für das ganze Volk.
Sie werden meine Gebote beachten
und meine Anordnungen bewahren und befolgen.
25Sie werden in dem Land wohnen,
das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe.
Dort haben schon ihre Vorfahren gewohnt.
Jetzt werden sie, ihre Kinder und Enkel
für alle Zeit dort wohnen.
Und mein Knecht David wird
für alle Zeit über sie herrschen.
26Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen.
Dieser Bund wird für alle Zeit gelten.
Ich gebe ihnen das Land
und sorge dafür, dass sie sich vermehren.
Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein.
27Ich werde unter ihnen wohnen und ihr Gott sein.
Und sie, sie werden mein Volk sein.
28Mein Heiligtum wird für alle Zeit
mitten unter meinem Volk stehen.
So werden die Völker erkennen,
dass ich, der Herr, Israel heilig mache.
Predigt
Der Prophet Ezechiel ist auch bekannt als Hesekiel. Die abschließende Silbe "El" steht für Gott. Der Name bedeutet: "Gott macht stark". Im Jahre 597 v.Chr. nahm Nebukadnezar die Stadt Jerusalem ein. Ein Teil der Bevölkerung wurde zwangsweise nach Babylon umgesiedelt. Hier war Ezechiel mit dabei. Nebukadnezar setzte Zedekia als König über die verbleibende Bevölkerung von Judäa ein. Einige Jahre später wollte König Zedekia keinen Tribut mehr zahlen. Daraufhin wurde Jerusalem zweieinhalb Jahre lang belagert, und am Ende völlig zerstört. Wer da noch lebte, wurde ebenfalls deportiert.
Ezechiel wurde erst im Exil von Gott zum Propheten berufen. Propheten sind übrigens keine Menschen, die besonders auf die Zukunft spezialisiert sind. Propheten sind einfach Boten Gottes. Aber vielleicht will Gott ja über unsere Zukunft mit uns reden. Ezechiel ist jedenfalls der erste Prophet, welcher außerhalb des Landes Israel berufen wurde.
Die Berufung durch Gott ist ein Schlüsselmoment im Leben des Ezechiel. Ezechiel berichtet sehr ausführlich darüber. Ezechiel sieht Gottes Thron. Gottes Thron ist ungewöhnlich mobil, denn er hat Räder. Gedankenschnelle Ortswechsel sind in alle Richtungen möglich. Gott selbst kann Ezechiel nur als strahlendes Licht beschreiben (Ezechiel 1).
Etwa 140 Jahre früher hatte der Prophet Jesaja ebenfalls Gott auf seinem Thron gesehen. Jesaja war damals im Jerusalemer Tempel. Der Tempel war zwar viel zu klein für Gottes Thron, aber der Eindruck war doch, dass Gott von Jerusalem aus redet, weil er der Gott Israels ist. Inzwischen war der Tempel zerstört. Der Tempel als Ort der Gegenwart Gottes existierte nicht mehr. Deshalb ist Ezechiels Beschreibung so interessant. Gott ist nicht an einen Ort gebunden. Gottes Thron hat Räder. Der Tempel mag zerstört sein und Gottes Volk im Exil. Aber Gott ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Gott herrscht und handelt. Gott gestaltet die Zukunft. Davon redet der Prophet.
Gott sagt: "Mein Knecht David wird ihr König sein, ein einziger Hirte für das ganze Volk. … mein Knecht David wird für alle Zeit über sie herrschen." Diese Aussage beziehen wir heute auf Jesus Christus. Denn Gott hatte König David etwas versprochen: Davids Königslinie wird niemals enden. Es wird immer einen Nachkommen von David geben, der König sein kann. Gott sagte damals zu David:
Dein Haus und dein Königtum sollen für immer bestehen,
dein Thron soll für alle Zeit fest gegründet sein. (2. Samuel 7,16)
Was dann noch wichtig ist, finden wir im Matthäus-Evangelium. Jesus ist ein Nachkomme von König David (Matthäus 1). Jesus wird in Bethlehem geboren, also im Geburtsort von David. Das Matthäus-Evangelium endet mit der Feststellung, dass Jesus alle Macht hat (Matthäus 28,18). Dieses Wort von Hesekiel beziehen wir deshalb auf Jesus Christus. Mit "mein Knecht David" ist Jesus gemeint. Das glauben wir.
Gott sagt, dass er mitten unter seinem Volk wohnen wird. Das Buch Hesekiel endet übrigens mit einer ausführlichen Vision. Hesekiel sieht eine neue Stadt mit einem neuen Tempel. Darum herum wohnen die Stämme Israels. Gott lenkt seinen mobilen Thron zu diesem neuen Tempel und zieht dort ein. Das Buch Hesekiel endet mit dem Satz:
Der Name der Stadt lautet von jetzt an:
»Hier ist der Herr.« (Hesekiel 48,35)
Das ist eine große Vision. Eine solche neue Stadt mit einem neuen Tempel darin gibt es bis heute nicht. Und trotzdem ist diese Vision schon heute Wirklichkeit geworden. Denn Gott will mitten in Deinem Leben wohnen. Deshalb ist Jesus als Kind in Bethlehem geboren. Der Chor der Engel im Lukas-Evangelium singt davon:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2,14 - Luther 2017)
Mit der Geburt von Jesus in Bethlehem beginnt der Bund des Friedens. Hesekiel hat diesen Bund des Friedens schon kommen sehen. Gottes Heiligtum ist mitten unter den Menschen.
Wir können heute schon in diesem neuen Bund des Friedens leben. Gott will mitten in Deinem Leben sein. Der Friede Gottes gilt nicht nur für besinnliche Stunden bei Kerzenschein. Gott will mitten in Deinem Alltag sein. Als Jesus über seine Macht redet, ist ihm eine Sache besonders wichtig:
Seid gewiss: Ich bin immer bei euch,
jeden Tag, bis zum Ende der Welt.« (Matthäus 28,20)
Hesekiel sieht, dass Gottes Thron mobil ist. Wenn Gott irgendwo sein will, dann ist er da, als Herrscher. Gott will bei Dir wohnen. Gott will Dein König und Hirte sein. Lass Dich darauf ein! Gott braucht keinen Palast – das macht die Geschichte von Weihnachten deutlich. Gott will mitten im Leben sein – in Deinem Leben.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 24. Dezember 2025.