Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …


2. Korinther 1,18–22 – Gott sagt Ja zu uns

Bibeltext (BasisBibel)

18 Aber Gott ist mein Zeuge:
Keines unserer Worte an euch
bedeutet gleichzeitig Ja und Nein.
19 Wir – das heißt: ich, Silvanus und Timotheus –
haben bei euch Gottes Sohn, Jesus Christus, verkündet.
Und von dem gilt: Er war nicht Ja und Nein zugleich,
sondern er ist das Ja in Person.
20 Durch ihn sagt Gott Ja zu allem,
was er je versprochen hat.
Auf ihn berufen wir uns,
wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen.
21 Gott selbst ist es, der uns gemeinsam mit euch
im Glauben an Christus festigt.
Er hat uns gesalbt
22 und uns sein Siegel aufgedrückt.
Dazu hat er uns den Heiligen Geist
als Vorschuss auf das ewige Leben ins Herz gegeben.

Predigt

Paulus hatte die Gemeinde in Korinth selbst gegründet. Später hat Paulus dieser Gemeinde Briefe geschrieben, um den Menschen dort in bestimmten Fragen Orientierung zu geben. Auch plante Paulus einen Besuch in Korinth. Denn bei einem Besuch könnte Paulus manche Dinge gründlicher besprechen.

Nur war es für Paulus nicht leicht, überhaupt einen Reiseplan aufzustellen. Schließlich betreute Paulus eine ganze Reihe von Gemeinden. Vieles im Leben von Paulus ließ sich nicht wirklich planen. Deshalb musste Paulus seinen Besuch in Korinth schon mehrfach verschieben.

In der Korinther Gemeinde gab es Gruppen mit unterschiedlichen Interessen. Manche Menschen kannten Paulus persönlich und vertrauten ihm. Doch es gab auch andere Namen und Personen, die in Korinth Einfluss hatten. Deren Anhänger brachten nun das Argument, Paulus wäre unzuverlässig. Schließlich hatte Paulus einen Besuch versprochen, war aber bisher nicht gekommen. Hier hakt Paulus ein. Er bekräftigt seine Absicht, zu kommen. Paulus schreibt:

17 Bin ich etwa leichtsinnig gewesen,
als ich mir das vorgenommen habe?
Oder mache ich Pläne nach Menschenart
und meine »Nein«, wenn ich »Ja« sage? (2. Korinther 1,17)

An diese Frage schließt Paulus einige Sätze an, welche unseren heutigen Textabschnitt bilden. Ausgelöst wird alles durch die Frage, ob Paulus persönlich zuverlässig ist.

Erst einmal stellt Paulus klar: Das, was er und seine Mitarbeiter sagen oder schreiben, das meinen sie auch tatsächlich. So, wie Gott treu ist und zu seinem Wort steht, so wollen auch Paulus und seine Mitarbeiter zu ihrem Wort stehen. Schließlich sind sie in Gottes Auftrag unterwegs.

Weil Gott treu ist, müssen Gottes Boten ebenfalls treu sein. Paulus sieht hier einen Zusammenhang. Mir gibt das zu denken. Offensichtlich geht Paulus davon aus, dass Gottes Treue auf uns übergeht. Wie geht es uns damit? Können wir uns dem Gedanken von Paulus anschließen? Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann werden sich Menschen auch auf uns verlassen. Gott ist treu, damit wir ebenfalls treu sein können. Gottes Zusagen bilden ja das Fundament unseres Lebens.

Paulus fasst zusammen: Jesus Christus ist Gottes persönliche Zusage an uns. Durch Jesus Christus sagt Gott zu uns "ja".

In unserer freikirchlichen Tradition legen wir Wert auf die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen. Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, ist am Kreuz für Dich gestorben und ist von Gott wieder auferweckt worden. Nun ist der Ball bei Dir: Sagst Du "Ja" zu Jesus? Lädst Du Jesus in die Mitte Deines Lebens ein?

Doch das Evangelium ist nicht begrenzt auf das Kreuz und auf das leere Grab. Durch Jesus Christus sagt Gott zu Dir "Ja". So, wie Du heute bist, sagt Gott "Ja" zu Dir. Gott sagt nicht: Wenn Du Dich änderst, wenn Du an Dir arbeitest, werde ich irgendwann in der Zukunft zu Dir "Ja" sagen können. Gott will nicht erst in der Ewigkeit Gemeinschaft mit Dir haben. Gott nimmt Dich an, so wie Du bist. Gott sagt "Ja" zu Dir, noch bevor Du "Ja" zu ihm sagst. Das ist die Gute Nachricht, das ist das Evangelium – darauf kannst Du bauen.

Paulus geht noch einen Schritt weiter. In Jesus Christus bekräftigt Gott alle seine Zusagen. In den Texten des Alten Testaments finden wir ja viele Zusagen Gottes. Gott hat mit einzelnen Menschen geredet. Gott hat auch seinem Volk Israel Zusagen gegeben. Immer wieder hat Gott seinen Beistand versprochen. Diese Zusagen hat Gott eingehalten. Genau so will Gott mit uns unterwegs sein. Deshalb gelten Gottes Zusagen auch für uns. Durch Jesus Christus sagt Gott "Ja" zu allem, was er je versprochen hat.

Für uns bilden Gottes Zusagen das Fundament, auf dem unser Leben steht. Wir hängen ja vollständig ab von dem, was Gott uns gibt. Die Sonne, den Regen, die Luft, die Erde – all das stellt Gott uns zur Verfügung. Oft haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir diese Gaben Gottes übersehen. Dabei wäre unser Leben nicht möglich ohne diese grundlegenden Gaben Gottes. Interessanterweise sagt Jesus über Gottes grundlegenden Gaben:

44 Ich sage euch aber: Liebt eure Feinde!
Betet für die, die euch verfolgen!
45 So werdet ihr zu Kindern eures Vaters im Himmel.
Denn er lässt seine Sonne aufgehen
über bösen und über guten Menschen.
Und er lässt es regnen
auf gerechte und auf ungerechte Menschen. (Matthäus 5,44-45)

Gott gibt seine Gaben allen Menschen, und nicht nur den guten Menschen. Jesus fordert uns dazu auf, diese Haltung Gottes für uns zu übernehmen. Wir sollen nicht nur unsere Freunde lieben, sondern auch unsere Feinde. Wir sollen nicht nur für nette Menschen beten, sondern auch für solche, die uns schaden wollen. An dieser Haltung wird man uns als Kinder Gottes erkennen, weil wir uns so verhalten, wie Gott es auch tut.

Damit kommen wir wieder bei dem Gedanken des Apostels Paulus an. Paulus schreibt den Christen aus Korinth: Wir sind Euch wohlgesonnen. Wir wollen Euch helfen und Euch unterstützen. Wir lehnen Euch nicht ab. Wir wollen Euch besuchen kommen. Jesus sagt zu Euch "Ja". Wir gehören zu Jesus, deshalb sagen wir zu Euch "Ja".

Hier gibt es etwas, wo wir genau hinschauen müssen. Paulus sagt nicht zu den Korinthern "Ja", weil die Korinther zu Jesus gehören. Paulus sagt zu den Korinthern "Ja", weil Paulus zu Jesus gehört. Paulus folgt dem Vorbild von Jesus Christus. Jesus sagt "Ja" zu allen Menschen, nicht nur zu denen, die sich für Jesus entschieden haben. Gott gibt seine Gaben allen Menschen, nicht nur denen, die wir als gute Menschen bezeichnen würden. Es gibt hier also eine Haltung, die wir bei Gott sehen, und die wir in unser Leben übernehmen sollten. Denn daran werden wir als Kinder Gottes zu erkennen sein.

An Weihnachten denken wir daran, dass Jesus Mensch wurde. Als Kind kam er zur Welt. Aber machen wir uns auch bewusst, dass Gott hier einen Schritt tut, den selbst Gott nicht mehr rückgängig machen kann? Gott wird Mensch! Gott nimmt nicht nur die Gestalt eines Menschen an, so dass er aussieht wie ein Mensch. Der Tod von Jesus am Kreuz zeigt uns, dass Gott wirklich Mensch wurde. Menschen sterben durch andere Menschen. Das geschieht bis heute immer wieder. So ein Mensch ist Gott geworden, und als solcher Mensch ist Jesus gestorben. Auch nachdem Jesus von den Toten auferstanden ist, bleiben die Spuren des Todes an Jesus sichtbar. Diese verheilten Wunden werden sogar zum Kennzeichen, an denen man Jesus erkennen kann (Johannes 20,27).

Das ist der Gedanke, den Paulus hier verarbeitet. Jesus ist das "Ja" Gottes in Person. Diesen Jesus verkündigen wir. Dieses "Ja" Gottes zu dieser Welt leben wir auch. Das Wort "Amen" bedeutet eine Bekräftigung, ein Unterstreichen von dem, was Gott bereits versprochen hat. Gott tritt mit uns Menschen in Beziehung. Damit lädt Gott uns zu einer Antwort ein. Zu Gottes Ehre sagen wir "Amen" – so sei es. Und wir sagen dieses "Amen" nicht nur mit Worten, sondern wir unterstreichen Gottes "Ja" zu den Menschen durch das, was wir tun und wie wir es tun. Wir machen damit klar: Dieser Mensch-gewordene Gott ist auch mein Gott. Wir leben keine weltferne Frömmigkeit, sondern wir sind der Welt zugewandt. Wir glauben an einen heruntergekommenen Gott.

Gott unternimmt einiges, um sein "Ja" zu uns noch zu bekräftigen. Gott gibt uns seinen Heiligen Geist, um unseren Glauben an ihn festzumachen. Gott selbst kommt in unser Leben, als ein Gesprächspartner, der uns Gottes Siegel aufdrückt. Denn Menschen können ja nicht sehen, was sich in unserem Herzen abspielt. Aber Menschen werden es bemerken, wenn wir Gottes Haltung in unseren Alltag übernehmen.

Jesus Christus ist Gottes "Ja" zu dieser Welt. Gott bleibt bei seinem "Ja" - auch durch den Tod hindurch. So ein "Ja" verbindet Paulus mit der Gemeinde in Korinth – deshalb bekräftigt Paulus seine Absicht, noch einmal zu Besuch zu kommen:

14 Ich bin sogar bereit,
ein drittes Mal zu euch zu kommen.
Und ich werde euch auch diesmal nicht zur Last fallen.
Ich will nämlich nicht euren Besitz,
ich will euch selbst. (2. Korinther 12,14)

Nun ist die Frage bei uns. Wir feiern heute den vierten Advent. Wir feiern, weil Jesu Kommen alles verändert hat. Gott sagt zu uns "Ja". Gott lädt uns zu sich ein. Wir dürfen selbst wiederum andere Menschen einladen, und damit dem Beispiel Gottes folgen. An dieser Großzügigkeit wirst Du als ein Kind Gottes zu erkennen sein.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 21. Dezember 2025.