Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

1. Petrus 2,9–10 – Ein baptistisches Grundelement: Das allgemeine Priestertum

Bibeltext (BasisBibel)

9 Aber ihr seid das erwählte Volk: eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, eine Gemeinschaft, die in besonderer Weise zu Gott gehört. Denn ihr sollt die großen Taten Gottes verkünden. Er hat euch nämlich aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen. 10 Ihr, die ihr früher nicht sein Volk wart, seid jetzt Gottes eigenes Volk. Ihr, die ihr früher kein Erbarmen fandet, erfahrt jetzt seine Barmherzigkeit.

Predigt

Die Bibel erzählt Gottes Geschichte mit dieser Welt. Diese Geschichte gibt Gott die Ehre. Aber Gott arbeitet nicht allein in dieser Welt. Gott arbeitet mit den Menschen. Und so ist die Bibel gleichzeitig eine Geschichte von Bundesschlüssen. Gott verbündet sich mit Menschen.

Gerade haben wir zwei Verse aus dem ersten Petrusbrief gelesen. Hier ist von einem Bund Gottes die Rede. Gott erlöst die Menschen und befreit sie zu einem Leben mit ihm. Davon schreibt dieser Brief in Kapitel 1:

18 Ihr wisst ja: Ihr seid freigekauft worden von dem sinnlosen Leben, wie es eure Vorfahren geführt haben. Das ist nicht geschehen durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. 19 Es geschah aber durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm. (1. Petrus 1,18–19)

Wenn von Jesus Christus als dem Lamm die Rede ist, dann ist dies ein Bezug auf das Passalamm. Als Gott das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreien wollte, kam es zu einer Situation, in welcher das Blut eines Lammes Leben geschenkt hat. Jede Familie aus dem Volk Israel hat damals ein Lamm geschlachtet, um mit dem Blut des Lammes die Türpfosten des eigenen Hauses zu bestreichen. Durch das Blut des Lammes überlebte der Erstgeborene der Familie die Nacht. Das Blut des Lammes hat Leben geschützt, es hat also Leben geschenkt. Genauso schenkt der Tod von Jesus Christus am Kreuz uns das Leben.

Verglichen werden aber nicht nur das Lamm und Jesus Christus. Verglichen wird auch das Leben vor diesem Bundesschluss. Das Volk Israel war damals in Ägypten versklavt. Sie mussten für die Ägypter Städte bauen. Für das Volk Israel war diese Arbeit also eher sinnlos, weil sie selbst nichts von diesen Städten hatten.

Auch unser Leben war ohne Christus sinnlos, sagt der erste Petrusbrief. Doch Christus hat uns aus diesem sinnlosen Leben freigekauft. Aber zu welchem Ziel hat Christus uns freigekauft? Auch hier hilft uns ein Blick auf die Geschichte Israels weiter.

Kurz nach dem Auszug aus Ägypten kam Israel beim Berg Gottes an. Dort hat Gott mit seinem Volk einen Bund geschlossen, also einen Vertrag. Ich lese einige Verse vor, in denen Gott seine Absicht ankündigt:

3 Mose aber stieg zu Gott hinauf. Da rief ihm der Herr vom Berg aus zu: »Sag es dem Haus Jakob! Verkünde es den Israeliten: 4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe. Euch aber habe ich wie ein Adler auf Flügeln getragen und hierher zu mir gebracht. 5 Hört jetzt auf meine Stimme und haltet meinen Bund! Dann sollt ihr mein Eigentum sein unter allen Völkern. Denn mir gehört die ganze Erde. 6 Ihr aber sollt für mich ein Volk von Priestern sein, ein heiliges Volk. Diese Worte sollst du den Israeliten sagen.« (Exodus/2. Mose 19,3–6)

In diesem Text blickt Gott zurück. "Ihr habt gesehen", sagt Gott. Gott hat das Volk Israel aus Ägypten befreit. "Hört jetzt auf meine Stimme und haltet meinen Bund!" Gott schließt einen Bund mit seinem Volk. "Ihr sollt für mich sein." Gott will mit dem Volk Israel zusammen seinen Plan für diese Welt verwirklichen.

Durch seinen Tod am Kreuz schenkt Jesus Christus uns das Leben. Gott schließt mit uns einen Bund. Gott will mit uns zusammen seinen Plan mit dieser Welt verwirklichen. "Ihr sollt für mich da sein". So werden wir zu Priesterinnen und Priestern von Jesus Christus.

Die Tatsache, dass Du zum Glauben an Jesus Christus gekommen bist, ist also nur der Anfang Deiner Geschichte mit Gott. Gott will etwas aus Dir machen. Das steht deutlich im Text, und kommt bereits beim Bundesschluss am Berg Sinai vor:

"Ihr aber sollt für mich ein Volk von Priestern sein, ein heiliges Volk." (Exodus/2. Mose 19,6)

Der erste Petrusbrief nimmt diesen Gedanken wieder auf:

"Aber ihr seid das erwählte Volk: eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, eine Gemeinschaft, die in besonderer Weise zu Gott gehört. Denn ihr sollt die großen Taten Gottes verkünden. Er hat euch nämlich aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen." (1. Petrus 2,9)

Wie lebt denn ein von Gott erwähltes Volk? Wie sieht das Leben einer Priesterin oder eines Priesters Gottes aus? Was kennzeichnet eine Gemeinschaft, die in besonderer Weise zu Gott gehört? Wie verkünden wir die großen Taten Gottes?

Es ist interessant, den ersten Petrusbrief ganz durchzulesen. Dabei stellen wir fest: Es geht ganz überwiegend darum, im Dienst für Gott das Richtige zu tun:

Denn das ist der Wille Gottes: Bringt durch euer rechtschaffenes Handeln die unwissenden und unvernünftigen Menschen zum Schweigen. (1. Petrus 2,15)

Im Vordergrund steht also nicht, Menschen mit Worten und Argumenten zu überzeugen. Eine Priesterin Gottes ist daran zu erkennen, dass sie handelt. Ein Priester Gottes ist daran zu erkennen, dass er das Richtige tut. Statt dessen sind es eher die unwissenden und die unvernünftigen Menschen, die durch ihr Reden auffallen, denn sie werden durch das rechtschaffene Handeln von Gottes Menschen zum Schweigen gebracht.

Auch Priesterinnen und Priester Gottes reden – aber sie sind mit Gott im Gespräch – alleine, in der Stille vor Gott, und gemeinsam mit ihrer Gemeinschaft, der Gemeinde. Sie sind innerhalb der Gemeinschaft füreinander da:

7 Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid besonnen und bewahrt einen klaren Kopf, damit ihr beten könnt. 8 Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest! Denn die Liebe deckt viele Sünden zu. 9 Seid gastfreundlich untereinander, ohne euch zu beklagen. 10 Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. So erweist ihr euch als gute Verwalter der Gnade, die Gott vielfältig schenkt. 11 Wenn jemand in Gottes Auftrag redet, soll er nur das Wort Gottes weitergeben. Wenn jemand dient, soll er das aus der Kraft heraus tun, die Gott gibt. So soll in allem, was ihr sagt und tut, Gott durch Jesus Christus verherrlicht werden. Ihm gehören Herrlichkeit und Macht für immer und ewig. Amen. (1. Petrus 4,7–11)

Der erste Petrusbrief hat keine Liste der Geistesgaben, wie wir sie bei Paulus finden. Innerhalb der Gemeinde stehen die Gebete im Vordergrund, dazu ein liebevoller Umgang miteinander und gegenseitige Gastfreundschaft. Es gibt diejenigen, die in Gottes Auftrag reden – die sollen dann auch wirklich nur das Wort Gottes weitergeben. Und es gibt diejenigen, die anderen dienen – die sollen ihren Dienst aus der Kraft heraus tun, die Gott gibt. Beide verhalten sich also wie Menschen, die mit der Quelle verbunden sind. Alle beschränken sich darauf, sich gegenseitig das weiterzugeben, was sie von Gott empfangen haben.

Nach außen hin stehen nicht Worte im Vordergrund, sondern Taten. Jede Priesterin Gottes, jeder Priester Gottes steht in einer bestimmten Situation, und ist aufgerufen, dort für die Gerechtigkeit zu leben:

Christus selbst hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden. (1. Petrus 2,24)

Natürlich ist der erste Petrusbrief für eine Zeit der Verfolgung geschrieben worden. Während der Verfolgung ist es wichtig, sich nicht um Kopf und Kragen zu reden. Statt dessen ist es die beste Strategie, ein möglichst vorbildliches Leben zu führen (1. Petrus 2,12). Der Gedanke dahinter ist, die Kritiker des Glaubens an Jesus Christus durch rechtschaffenes Handeln zum Schweigen zu bringen (1. Petrus 2,15).

Aber woher nehmen wir die Kraft, ein vorbildliches Leben zu führen? Diese Kraft kommt aus der Verbindung zu Gott, und aus der Gemeinschaft der Christinnen und Christen untereinander. Priesterinnen und Priester Gottes sind nicht allein unterwegs, sondern sie verstehen sich als Teil von Gottes eigenem Volk.

Und was sind die Dinge, die uns Kraft kosten?

Es kostet uns Kraft, wenn wir nicht aus der Verbindung zu Gott heraus reden und handeln. Es kostet uns Kraft, wenn wir uns an den Erwartungen der anderen orientieren. Es kostet uns Kraft, wenn wir uns zum Reden verleiten lassen, obwohl Gott uns nichts gesagt hat. Es kostet uns Kraft, wenn wir uns in Aufgaben drängen lassen, weil es ja schließlich jemand tun muss – aber Gott hat uns dazu keine Gaben, keine Kreativität und keine Energie gegeben.

Umgekehrt kostet es uns aber auch Kraft, wenn Gott zu uns redet – wir nehmen uns aber keine Zeit, auf Gott zu hören und unsere Gedanken zu ordnen. Es kostet uns Kraft, wenn Gott uns auf Dinge aufmerksam macht, die wir tun sollten – und wir denken dann: Später vielleicht, denn für jetzt habe ich schon etwas vor.

Denn eine Sache ist klar: Im Glauben wachsen werden wir nur durch das, was wir auch tatsächlich tun. Worte, Gedanken und Pläne, das Reden über die Bibel und selbst die Gemeinschaft in der Gemeinde lassen uns nicht wachsen. Wir wachsen, wenn wir mit Gott zusammen an der Arbeit sind. Wir lernen und wachsen, wenn wir als Priesterinnen und Priester Gottes mit Gott zusammen am Werk sind. Wir geben weiter, was Gott uns schenkt.

Wo Menschen Gnade, Erbarmen und Wertschätzung erleben, da ist Gott am Werk. Wo Menschen Heimat finden und Zugehörigkeit, da ist Gott am Werk:

Ihr, die ihr früher nicht sein Volk wart, seid jetzt Gottes eigenes Volk. Ihr, die ihr früher kein Erbarmen fandet, erfahrt jetzt seine Barmherzigkeit. (1. Petrus 2,10)

Jesus Christus schenkt uns das Leben. Als Priesterinnen und Priester Gottes nutzen wir dieses Leben, und arbeiten mit Gott zusammen. Wir werden diese Welt nicht mit Worten zu Gott führen können. Gott will diese Welt durch uns gestalten und ordnen. Wenn wir mit Gott verbunden sind, dann kommen Menschen durch uns mit Gott in Berührung.

Wir sind eine königliche Priesterschaft. Wir sind eine Gemeinschaft, die in besonderer Weise zu Gott gehört. Wir leben in Gottes Licht. Dieses Licht geben wir weiter durch das, was wir tun und wie wir es tun.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 19. Juli 2026.